In zehn Tagen beginnt mein USA-Abenteuer

USA

 

Ich habe das große Glück, in diesem Herbst, am 9.Oktober  als Fellow der Rias-Berlin – Commission in die USA reisen zu dürfen.

Insgesamt werde ich vier Wochen unterwegs sein in Washington D.C., Seattle und New York. Es gibt Treffen mit Journalisten, Politikern und Denkern, Gespräche über Fake News in Zeiten von Trump, das Leben als Muslim in den USA und das Bewahren der Demokratie in Zeiten wie unseren.  Ich bin wahnsinnig gespannt und freue mich auf neue Erkenntnisse sowie spannende Begegnungen.

Wenn Ihr mögt, dann könnt Ihr mich hier begleiten. Und ich freue mich auf Eure Fragen und Euer Interesse an dem, was da passiert.

 

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Bahn – wir müssen reden. Du musst reden.

Liebe Bahn,

Du weißt, mein Reiseherz schlägt nur für Dich. Ich sitze so gern am Fenster und lasse die Landschaft an mir vorbeiziehen. Ich lese, ich schreibe, ich belausche die anderen Reisenden. Wunderbar, wenn ein Reh auf einer Wiese steht, wenn überall gelber Raps leuchtet, wenn nur silberne Autos am Bahnübergang warten, wenn das Wetter ständig wechselt.

Das Wetter. Das war ja nun ein echtes Problem heute. Gut, kann man nicht vorhersehen, wo so ein Unwetter zuschlägt. Dass mein Zug aus Nordfriesland nach Berlin pünktlich abfuhr, war großartig. Nach wenigen Landschaftsbildern kam dann aber bereits die erste Ansage. Es sei schwierig heute, in Hamburg ginge grad gar nichts mehr bei den Kollegen. (Warum wusste das Radio schon eine Stunde vorher dass in Hamburg gar keine Züge mehr fahren, ihr aber erst NACH Abfahrt des Zuges?).  Halt in Heide,  Halt in Itzehoe. „Die gute Nachricht: Ab Hamburg gehts wieder voran, die schlechte: Wir dürfen mit dieser Lok nicht weiter, müssen uns eine Genehmigung holen und die können wir grad nicht bekommen, weil die Server überlastet sind und wir niemanden erreichen. Wir wissen nicht, wann es weiter geht, vielleicht möchten sie mit der Regionalbahn nach Altona fahren?“  Nein. Möchte niemand. Oder es sind zu wenig Hochleistungssportler im Zug, die den Umstieg in drei Minuten schaffen würden.

Ging  bald weiter. Dann: „Wir wissen leider noch nicht, wie es am Hauptbahnhof weiter geht. Wir brauchen Richtung Berlin eine andere Lok, die ist aber noch nicht da und das Personal sitzt auch in anderen Zügen fest.“

Kurz vor Hamburg dann die Bitte auszusteigen. „Dieser Zug fährt nicht weiter.“

Auf dem Bahnhof eine Anzeige: ICE nach Berlin auf Gleis 7, an Gleis 7 steht „Heute ab Gleis 5“. An Gleis 5 steht ein Zug nach Lüneburg, also doch zurück zu Gleis 7.

Viele hatten heute nicht das Glück, um nur eine gute Stunde verspätet ans Ziel zu kommen. Ich habe gelernt, dass es Hotelzüge gibt, in denen die Gestrandeten, zum Beispiel in Bremen übernachten. Die haben übrigens keinen Spa Bereich und auch keine Boxsprint-Betten.

Ich will auch gar nicht bestreiten, dass es unter den Bedingungen heute nicht einfach war, die Logistik zu stemmen und natürlich geht Sicherheit vor.

Aber ich habe eine BahnCard 100, bin viel unterwegs und hatte in den vergangenen Wochen mehrfach Erlebnisse wie diese: 80 Minuten Verspätung wegen Umleitung, heute kein Halt in Spandau, die Bahn entfällt, alle Plätze reserviert, also Stehplatz im Gang. Und da war nie Wetter.

Dass die Klimaanlage nicht funktioniert – geschenkt.

Dass niemand durch den Wagen läuft, um den älteren Menschen  zu sagen wie sie noch nach Hause kommen, wenn der Anschlusszug weg ist – ist vielleicht zu viel erwartet.

Aber was ich nicht verstehe: Warum redest Du nicht mit mir?

Warum zeigt die App mir nicht an, dass es Probleme gibt  (und wenn sie es tut, warum steht da nur „Unwetter“ und nicht „diese Bahn fällt aus“.) Warum gibt es auf den Bahnsteigen keine Ansagen, die einen informieren, wenn ein Zughalt entfällt, wenn ein Umweg gefahren werden muss, wenn alle Plätze bereits belegt sind? Dann hat man vielleicht noch Lust, sich das schöne Hannover man anzusehen, oder mit der Mama noch einen Kaffee zu trinken – um dann später in den Zug zu steigen. Oder man weiß rechtzeitig, dass 30 Minuten nicht so schlimm sind, weil der andere Zug gar nicht mehr kommt.

Hast du keine Mama, die dafür sorgt, dass es rund läuft? So jemanden, der trotz Magendarmvirus und Wasserrohrbruch ein Mittagessen vorbereitet und die Große zum Flötenunterricht fährt? Liebe Bahn, das tut mir sehr leid. Die kann man sich natürlich nicht backen, aber manchmal gibt es ja auch einen Papa oder eine Tante, die da einiges auf die Reihe bekommt.

Ich behalte dich lieb, aber du musst mehr mit mir reden. Sag mir rechtzeitig, wenn es schwierig wird, oder komm jedenfalls an Tagen wie heute mal mit einem Tablett Prosecco ‚rum. Oder Wasser. Oder jedenfalls mit ein paar netten Worten in das große Chaos derer, die nicht wissen wohin.

Am meisten geärgert habe ich mich übrigens über die Frau im sehr vollen ICE ab Hamburg, die so traurig war, dass ihre Handtasche nicht mehr auf dem Fensterplatz sitzen durfte, weil ich da hin wollte. Konnte man ihr ansehen. Rücksichtslosigkeit finde ich fast noch schlimmer als Kommunikationsdefizit.

Aber nur fast.

Deine Anja

Prokrastinieren, Das

Ihr habt es ja gelesen. Ich bin wahnsinnig motiviert in die #Autorinnenzeit gestartet.  Immerhin gestartet.  Es ist keinesfalls so, dass ich nicht noch endlos, Tag für Tag hätte weiter machen können. In meinem Leben kommen so wahnsinnig tolle Autorinnen vor, die Bücher schreiben, sich in Artikeln mutig äußern und in Kolumnen Stellung beziehen. Deren Bücher und Artikel werdet ihr auch immer wieder hier oder bei twitter oder auf der Facebook-Autorenseite finden.

Aber nicht Tag für Tag weitergemacht zu haben, bis zum Monatsende. Das ist wirklich schwach. Ich schäme mich.  Und schiebe die Schuld auf Prokrast. Den müsst Ihr Euch vorstellen, wie den Typen, den meine Oma als „Mitschnacker“ bezeichnete (die älteren unter den Norddeutschen Lesern werden sich an eine Folge mit dem Polizeikasper und eben so einem bösen Mitschnacker erinnern).  Klingt ja erstmal sehr positiv, dieses „pro“,  also „für“.

Allerdings kann man ja auch für die Abschiebung aller Ausländer sein, das ist dann auch nicht gut. Oder für die Idee von der Frau am Herd , auch doof.

In Verbindung mit „cras“, was „morgen“ bedeutet, wird die Sache schnell klar. Und erinnert wieder an meine Oma und ihre Weisheiten: Verschiebe nicht auf morgen, was du heute kannst besorgen. Proktastinieren, etwas aufschieben, ist mir ein Begriff, seit ich Autorin bin.

Beim Radio geht das nicht. Da kommt ein Interviewpartner ins Studio, dem kann  nicht sagen, komm mal morgen wieder, ich hab mich auf dich heute nicht vorbereitet. Man kann auch nicht abwarten, bis zufällig einer am Studio vorbeikommt und mal eben den Knopf für die nächste Musik drückt. Muss man selbst erledigen. Sofort. Das ist dann das Gegenteil von Prokrastination, die Präkrastination (Produktivität, Pünktlichkeit, Planung).

Der erste Thriller liegt in den Regalen, Freunde rufen an und erzählen, wie er ihnen gefallen hat, Bloggerinnen teilen Rezensionen, der Verlag schickt eingescannte Zeitungsausschnitte. So langsam müsste man sich mal an das nächste Buch machen.

Denkt man. Denkt auch der Agent. Denkt auch der Verlag.

Man schreibt. Vier Seiten, zwölf, schickt die ersten sechzig an den Agenten. Am nächsten Tag denkt die Autorin: Alles Mist, ich fang neu an, mit einer anderen Geschichte. Macht sie auch.  Diese Idee funktioniert. Es reiht sich Seite an Seite. Schreiben, denken, spazieren gehen, mit anderen Autorinnen austauschen, die Geschichte entwickelt sich.

Aber der Herr Prokrast gibt nicht auf. Morgens, nach dem Aufwachen schlägt er vor, doch erst einmal in Ruhe einen Kaffee zu trinken. Eine zweite Tasse wäre auch schön. Vielleicht noch kurz in den Krimi reinlesen, der demnächst rezensiert werden soll.

Die Autorin prügelt ihn vor die Tür. Erfolglos. Dieses Biest von Quälgeist taucht immer wieder auf.

Ich weiß nach heute: dass ich unbedingt den Film „Pubertier“ sehen muss, der Trailer ist witzig, Ed Sheeran ist bei James Corden im Carpool mitgefahren, da hab ich aber schon tollere Folgen gesehen, die Ehrlich-Brothers bekommen eine neue Fernsehshow (wer waren die Ehrlich-Brothers nochmal?), SPD-Kanzlerkandidat Schulz verspricht, dass die Renten für jung und alt sicher werden, FidgetSpinner sind der neue heiße Scheiß, bei Instagram gabs ein sehr schönes Foto vom Berliner Fernsehturm, ein Freund ist in den USA, eine Bekannte zeigt Bilder aus dem sonnigen Italien.  Ich habe die Nachrichten im Messenger alle beantwortet und bei Facebook einer lieben Freundin zum Geburtstag gratuliert.

Macht daraus mal einen Krimi.

Ich habe heute 12 Seiten geschrieben.

Trotzdem.

 

„Wenn ich dich hole“ zum angucken – Der Trailer

Wenn ich ein Buch schreibe, dann habe ich Bilder im Kopf. Nicht nur von den Landschaften, in denen sich meine Figuren bewegen, vom Wetter durch dass sie sich vielleicht gerade quälen müssen (wie in „Wenn ich dich hole“), sondern auch die Personen haben schon ein Gesicht.

Und das entsteht aus all den Menschen, die ich kenne und denen ich begegne oder begegnet bin. Da kann zum Beispiel mal eine Figur aussehen, wie mein alter Lateinlehrer, das wäre dann wohl nicht der sexy Typ, mit dem sich die Leser identifizieren würden, sondern vielleicht eine Romanfigur, auf die im laufe der Geschichte sehr gut wieder verzichtet werden kann.

Dann gibt es da diejenigen, mit denen ich möglicherweise bei einer Radiostation sehr gern zusammengearbeitet habe, mit denen ich einen tollen Urlaub hatte oder mit denen ich schon manche Flasche Wein geleert habe. Die könnten zum Beispiel die Ermittler unterstützen, weil ihnen als kluge und aufmerksame Beobachter etwas besonderes aufgefallen ist. Oder ein Polizist verliebt sich, oder eine Kommissarin hat die tollste Mutter, die man sich vorstellen kann. Kann alles passieren und manchmal erkennt sich jemand in meinen Geschichten wieder.  Übrigens haben sich auch schon Leute erkannt, die ich gar nicht gemeint habe.

Bei „Wenn ich dich hole“ habe ich in der allerersten Fassung mit den Namen meiner Familie gearbeitet. Dadurch hatte die Geschichte auch für mich etwas sehr Unheimliches, wenn zum Beispiel mein ‚Sohn‘ meinen ‚Mann‘ anrief und dabei von Gespräch zu Gespräch immer unruhiger wurde. Im fertigen Buch sind die Namen geändert, ich entschuldige mich jetzt schon bei den Zartbesaiteten, deren Sohn Lewe heißt. Und, Achtung Spoiler: Sie werden es aushalten. Versprochen.

 

 

 

 

Moin-Land

Ich komme aus dem Moin-Land.

Für Süddeutsche immer wieder erstaunlich, aber die Menschen in meiner Heimat sagen den ganzen Tag „Moin“ wenn sie sich treffen. Wer „Moin, Moin“ sagt, der wird gern als geschwätziger Tourist abgestempelt.

„Moin“ heißt übrigens nicht immer „Morgen“, so wie Sie das vielleicht den Kollegen entgegenflöten, wenn sie morgens ins Büro kommen. Laut Wikipedia gibt es „Moin“ schon mehr als 200 Jahre, daher sollten eigentlich alle wissen, wann und wo man es einsetzt, aber fragen Sie doch zum Beispiel mal bei Facebook nach, wie man diesen Gruß richtig einsetzt. Ich würde wetten, Sie bekommen von zehn  verschiedenen Freunden auch zehn verschiedene Antworten.

Laut Internetlexikon gibt es verschiedene Überlegungen dazu, woher dieses schlichte kleine Wort kommt. Einige Wissenschaftler stellen tatsächlich einen Zusammenhang zu einer Begrüßung am Morgen her, andere aber meinen, dass es vom norddeutschen „moi“ abgeleitet wird, was so viel bedeutet wie „angenehm, gut, schön“.  Bei plattmaster.de erklärt man es auch so: „“Moin Moin“ kanns den heelen Dag seggen. Ok in de Nacht. Dat kümmt dorvun, wo dat vun afkümmt. Dat kümmt vun mooi“ = scheun, good.“

In Hamburg wird „Moin“ übrigens ganz anders bewertet, als wenige Kilometer weiter in Niebüll. Und wenn Sie über die Grenze nach Dänemark fahren, dann hören Sie den Gruß auch, allerdings wird er hier zum Abschied verwendet. Alles nicht so einfach?

Doch. Sehr sogar,

Einfach grüßen. Das ist international und Freundlichkeit hat noch nie geschadet.

Mehr über „Moin“ lesen kann man natürlich auch in meinem Krimi „Wenn ich Dich hole“.