Mein Podcast

Ich habe einen Podcast.

Wisst Ihr natürlich schon. Die ersten Folgen sind unter die_schreibenden bei Spotify, iTunes und SoundCloud zu hören und die ersten Rückmeldungen von Euch haben mich so sehr gefreut. 

Technische Klippen sind umschifft, ich weiß inzwischen, was eine Stereospreize ist und wieso man sehr vorsichtig sein sollte, wenn man bei Soundcloud einen Titel ändern möchte. (An dieser Stelle sei erwähnt, dass das Twitter-Hilfe-Team von Soundcloud von mir eine Medaille bekommen würde).

Nachdem nun die ersten Folgen bei Euch so viel Interesse und Verlangen nach mehr ausgelöst haben, gibt es mehr. Die nächsten Termine sind gemacht, es wird bunt, ich freue mich auf sehr unterschiedliche Gäste.

Mindestens jeden zweiten Freitag wird es eine neue die_schreibenden geben.

Da ich (noch) kein Geld damit verdiene, wäre es großartig, wenn Ihr mir in Form einer Bewertung bei iTunes oder bei den anderen Kanälen etwas hinterlasst. Geht schneller, als man denkt und hilft mir den Podcast noch ein wenig bekannter zu machen.

Da es viele Nachfragen gab, dazu wo das tolle Logo und der Sound herkommen, die könnt Ihr einkaufen unter 

www.bild-und-klang.de

Nächster Gast ist der großartige Kai Lüftner, der für mich seine Umzugskartons stehen lassen hat um ein Stündchen in einem Café in Berlin-Köpenick zu lachen, zu erzählen und zu philosophieren.

Kai Lüftner nennt sich selbst Kreativitäter, denn er macht allerhand kreatives: singen, texten, schreiben, Regie führen. Kurz vor seinem Umzug von Berlin nach Bornholm erzählt er in dieser Sendung etwas über das Problem mit Leichen in Kinderbüchern, über Vorurteile und wie man sie für sich nutzen kann und über die Geschichten, die Tattoos erzählen. Was der wanderpredigende Opa mit seinem Hobby und sein Sohn mit seiner Karriere zu tun haben, auch das kann man erfahren.

Danke für die Aufmerksamkeit, Danke für Eure Zuneigung.

 

die_schreibenden #3 Sven Stricker

Es bleibt aufregend. Ich wollte einen Titel des Podcasts verändern und schwups – alles weg. Der Soundcloud-Support sagt, kann schon ein paar Tage dauern, bis wir das wieder hochgeladen haben. Deshalb erst einmal nur hier die ersten drei Folgen.

https://soundcloud.com/anja-goerz-278761466

Das ist Sven Stricker:

Schreibt Romane und Krimis, wobei er selbst findet, dass doch alles Romane sind. Außerdem ist er erfolgreicher Hörspielregisseur, vielfach ausgezeichnet.

Wie erfindet man eigentlich Namen für seine Figuren und warum heißen in Nordfriesland die Menschen Momme, Levke oder Ingeline? Was macht Sven Stricker, wenn er keine Ideen hat?

(Spoiler: Fußball gucken zum Beispiel)

Über das Schreiben und das Lesen von und mit Sven Stricker überall dort, wo es Podcast gibt.

 

Svens Bücherliste:

Sven Stricker  – Sörensen fängt Feuer

– Sörensen hat Angst

– Schlecht aufgelegt

– Mensch, Rüdiger

Sven Regener – Herr Lehmann

Paul Auster  -Stadt aus Glas

Yaa Gyasi und Anette Grube – Heimkehren

Hörspiel: Herr Lehmann

 

die_schreibenden #2 mit Rainer Moritz

Podcaster sein ist nicht so einfach, wie ich dachte. Wenn man so mit der Technik auf Kriegsfuß steht, wie ich, dann ist eigentlich mindestens eine Flasche Champagner fällig, wenn man an dem Punkt angekommen ist, an dem man seine Beiträge an iTunes und Spotify ermitteln kann.

Mikrofone und Aufnahmegerät kaufen (hab ihr eine Ahnung, wie groß das Angebot ist?), welches Schneideprogramm, wo lädt man die Folgen hoch und wie soll das Ganze aussehen?

Ich hatte das große Glück Maja zu treffen, die mir das allerschönste Logo für die_schreibenden kreiert hat.

Mikrofon und Feder drücken genau das aus, was ich in den Sendungen mache, das tintenblau steht für das Schreiben und in Übersichten mit vielen Titelbildern kann man es gut erkennen. Dank Maja habe ich Julius getroffen, der den Opener und die Sounds für mich komponiert hat. Auch hier bin ich begeistert, die Älteren werden beim Hören sofort eine alte Schreibmaschine im Ohr haben.

Solltet Ihr also auch über einen Podcast nachdenken – bei Maja und Julius gibt es das Gesamtpaket für Eure Idee: http://www.maja-k.de

Und zweiter Gast ist Rainer Moritz, Autor und Chef des Literaturhauses Hamburg, der auch herrlich schwäbeln kann (was Ihr hören werdet).

Der hat ein ganz besonderes Buch über Erinnerungen an seinen Vater geschrieben. Unter anderem. Wieso das neue Buch für ihn so besonders ist, was es mit Dreh-Aschenbechern auf sich hat und woher seine Nähe zu Frankreich kommt – erzählt er alles. Überall da, wo es Podcasts gibt. Zum Beispiel hier:

https://itunes.apple.com/de/podcast/rainer-moritz-die-schreibenden-2-17-01-19-13-28/id1449883813?i=1000427877054&mt=2

Rainers Bücherliste:

Rainer Moritz   – Matratzendesaster 

– Mein Vater, die Dinge und der Tod

– Ich Wirtschaftswunderkind 

– Die Überlebensbibliothek

-Literaturquickie „Der Mann, der wie Martin Walser wohnen wollte“

Marcel Proust – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Gustave Flaubert – Madame Bovary

Fernando Pessoa – Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters

Podcast – es geht los die_schreibenden

 

Hier ist er nun, mein erster Podcast. Er heißt die_schreibenden und ich spreche mit denen, die schreiben: Autoren, Musikern, Drehbuchautoren, Journalisten.

Den Anfang macht die einzigartige Isabel Bogdan:

Mit Isabel Zeit zu verbringen ist immer großartig, weil es schlauer macht und Spaß. In unserem Gespräch erzählt sie von den Schwierigkeiten nach dem Dauer-Besteller „Der Pfau“ das zweite Buch zu schreiben, von Zweifeln und helfenden Freunden.

Jeder Podcast-Gast liest ein Stück aus seinem aktuellen oder liebsten eigenen Werk und stellt drei Bücher vor, die man gelesen haben sollte/von denen man gehört haben sollte/die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

Hier ist Isabels Bücherliste:

Isabel Bogdan – Sachen machen

– Der Pfau

Andreas Moster – Wir leben hier, seit wir geboren sind

Susan Pásztor – Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

Simone Buchholz – Die Chastity Riley Reihe u.a. mit „Mexikoring“

Ich freue mich über Feedback und über Herzchen und Sternchen bei Soundcloud oder iTunes oder Spotify.  Da findet Ihr ich schon zwei weitere Folgen, zu denen ich Euch in den kommenden Tagen etwas schreibe.

Hier gehts zum Hören:

https://soundcloud.com/anja-goerz-581547647

 

 

#nettsein Vom Anfang einer neuen Freundlichkeit

Nett sein

Kürzlich brachte ich ein Paket zur Postfiliale in meiner Kleinstadt in Brandenburg. „Ach, nach Hamburg geht das. Da war ich neulich, das hat mir so gut gefallen,“ schwärmte die Postfrau. „Die Leute da waren alle so nett.“ Sie hätte gar nicht viel von der Stadt gesehen, weil sie auf einem Seminar und vor allem in Räumen war, aber alle dort seien so freundlich gewesen. Das sei ihr aufgefallen. 

Wir sprachen dann darüber wie schade es sei, dass ausgerechnet Brandenburg und Berlin offenbar Landstriche seien, in denen Ruppigkeit und nach unten hängende Mundwinkel zum guten Ton gehören.

Wer einmal an einem Donnerstag (Einkaufstag im Osten, wie mich meine ehemalige Kollegin Traudl einst belehrte) in einem brandenburgischen Supermarkt unterwegs war, der weiß was ich meine. Ältere Frauen, die ihren Männern in einer Tour erklären, dass es die andere Margarine sein soll, dass noch reichlich Salami zu Hause ist und dass der Wagen doch nicht immer in den Weg der anderer Leute geschoben werden soll. Paare, bei denen man sich wünscht, dass in den Schütten mit Aktionsware zwischen Arbeitssocken und Duschgel-Dreierpack auch eine Scheidung-to-go liegen möge. Wehe, man bitte mit seinem Paket Toastbrot darum, an der Kasse vorgelassen zu werden.

Aber natürlich gibt es die unfreundlichen Menschen nicht exklusiv hier bei uns.

Ich erlebe das Überall in Deutschland.

In meiner Reinigung stapelte ich heute vom Verkaufstisch weg ein Paket auf den Boden, damit die Dame nicht um den Tresen herumlaufen musste. 

„Das müssen sie doch nicht.“ 

„Aber ist doch keine Mühe, ich stehe doch hier.“ 

„Man ist es hier nur nicht gewohnt, dass jemand nett und hilfsbereit ist.“

Danke sagen, ein einfacher Gruß mit einem Lächeln, ein Kompliment machen, ohne etwas dafür zu erwarten. Jemandem mit dem schweren Koffer helfen, Türen aufhalten, Anerkennung zeigen auch für Kleinigkeiten, die einem selbst den Tag schöner machen.

Warum ist das eigentlich für viele Menschen so schwierig und wann ist das aus der Mode gekommen?

Ich bin in Nordfriesland aufgewachsen. In meinem kleinen Ort grüßt man sich auf den Straßen mit einem freundlichen „Moin“, egal, ob man sich kennt oder nicht. 

In Bremen wird nicht jeder gemoint, aber man ist nicht so wortkarg und maulfaul wie in Brandenburg. Moin macht aus einem grauen mindestens einen hellgrauen Tag. Und wenn man bei Ihnen nicht „Moin“ sagt, dann tut es auch ein „Guten Tag“ oder „Hallo“. Die Atmosphäre wird freundlicher, der Umgang miteinander leichter. Denn wenn man jemanden freundliche begrüßt hat ist es doch sehr viel schwerer, danach noch ekelhaft in Ton und Benehmen zu werden.

Wer jemals in Amerika war hat es selbst erlebt. Kein Restaurantbesuch ohne ein „sweetheart, more coffee?“ und kein Einkaufsbummel ohne kostenloses Kompliment. Ganz egal wie ehrlich es gemeint ist, es fühlt sich besser an. Ich gehe lieber in ein Geschäft oder Restaurant, in dem man nett zu mir ist, als in eines, in dem ich den Eindruck habe, dass ich nicht erwünscht bin, weil ich störe.

Umgekehrt empfinde ich es als genau so unhöflich, wenn Menschen an Supermarktkassen telefonieren und die Kassiererin behandeln wie einen Automaten. 

Was tut eigentlich daran weh, wenn man jemandem sagt, dass man seinen Mantel mag, dass man die Tasche wunderschön findet, dass man von seinem Duft ganz beseelt ist? 

Ein einziger Satz, der für einen anderen Menschen den Tag ein bisschen schöner macht.

Ich will gar nicht so weit gehen zu sagen, dass dieser rechte Sumpf es schwerer hätte, wenn wir alle wieder netter zueinander wären, aber ich bin sicher, wenn wir mehr miteinander reden als übereinander, wenn wir mehr fragen als zu erzählen und mehr lächeln als mit einer beleidigten Fresse durch den Tag zu stolpern, dann wird unser aller Leben heller.

Diese wie Genöle und Herumkritteln an jeder Kleinigkeit, die jemand äußert. Das Kommentieren von Tweets mit einer Humorlosigkeit, wie sie kaum zu beschreiben ist. In jedem noch so interessanten Gedanken irgendetwas finden, was man kritisieren kann. Man müsse doch dies bedenken und jenes ich vergessen. An jedem noch so kleinen guten Gedanken wird so lange herumgemosert bis alle vergessen haben, dass es doch eigentlich um etwas Gutes, etwas Schönes ging.

Paradoxe Intervention nannte mein Freund Jörg das kürzlich in seiner Kolumne:

https://www.morgenpost.de/kolumne/article215277957/Einladung-zum-Eis-statt-Herumgeschreie.html

Ihr könnte jetzt von Gutmenschentum und Gelaber anfangen, aber ich mach das jetzt. 

Weniger darüber schreiben was schlecht ist, was mir den Tag versaut und mehr über die schönen Dinge. 

Oder, um es mit dem Lieblingszitat meiner Oma zu sagen: 

Was du nicht willst, was man dir tu, 

das füg auch keinem andren zu.

Ich hab dich lieb, Handy

 

Ich arbeite jede zweite Woche in der schönen Stadt Bremen. Das bedeutet, dass ich Sonntags in den Zug steige und in die Hansestadt fahre. 

Immer checke ich ob ich Geldbörse, Handy und alle Ladekabel dabei habe. Immer. 

Vergangenen Sonntag aber erst auf dem Bahnsteig kurz vor Einlaufen des Zuges. 

Kein Handy.

Eiskalter Schreck und erste Gedanken wie „das geht doch nicht, ich muss umbuchen und später fahren“, „eine Woche ohne Handy, das wird nicht funktionieren“. 

Dann aber „ach was, ging doch früher auch“ und „könnte ja mal ganz interessant sein“.

Um gleich vorweg zu spoilern: Beides stimmt.

In der Bahn habe ich überlegt, ob ich den jungen Mann vor mir, der pausenlos auf seinem Handy herumtippte, mal frage, ob ich kurz eine SMS schreiben darf. Idee verworfen, dann hätte der ja meine Nummer und auch die meines Mannes, keine Ahnung wie man so etwas löscht. Fast jeder hat ein Handy dabei, tippt, hört Musik, scrollt sich durch Textnachrichten oder die sozialen Netzwerke. 

Im ICE dann dank eines ausnahmsweise funktionierenden W-Lan wieder das Gefühl mit dem Rest der Welt verbunden zu sein. Gedacht „ich habe ja eine Festnetz“ und „man kann sich ja eMails schreiben“, „wie schlimm soll das schon werden, ist ja nur ein Handy“.

Immer wieder in der Bahn, beim Aussteigen, beim Ankommen in der Wohnung das Tasten in den Taschen auf der Suche nach einem nicht vorhandenen Telefon.

Am Abend auf meinem Balkon sehr traurig ohne Handy. So ein schöner Sonnenuntergang über der Weser und keine Möglichkeit, ein Foto zu machen und es auf Instagram zu teilen.

Am nächsten Morgen in der Redaktionskonferenz großes Gelächter, als ich sage: Ich bin in dieser Woche nur auf meinem Festnetz oder via Mail erreichbar. „Mach doch einen Beitrag draus“, „oh, unfreiwilliges digitales detoxen ist ja auch mal eine Erfahrung“. Und immerhin auch ein mitfühlendes „und wie geht es dir damit?“.

Auf Facebook habe ich Freunden mitgeteilt, dass ich in dieser Woche nicht unter meiner Mobilnummer erreichbar bin. Das ist für einige offenbar so unfassbar, dass sie mir eMals schicken und in der Betreffzeile steht: Falls du keinen Empfang haben solltest. Ich spare mir die Antwort, dass der Empfang nicht das Problem darstellt.

In den kommenden Tagen fehlt mir mein kleines Gerät bei vielen Gelegenheiten. 

Stricken im Kerzenlicht, Masche verloren, keine Taschenlampe.

Zweitwecker stellen, falls ich den ersten nicht höre, geht nicht.

Schnell mal nachsehen, wie morgen das Wetter wird, geht nicht unterwegs.

Ich muss pünktlich sein bei Verabredungen, eine schnelle Entschuldigungs-SMS kann ich ja auch nicht verschicken.

Dann passieren aber auch so viele schöne Dinge:

In der Tram muss ich aus dem Fenster schauen, weil ja kein Gerät da ist, auf dem man Neuigkeiten in den sozialen Netzwerken checken kann. 

Mir fallen Dinge auf, die ich noch nie zuvor bemerkt habe. Wußtet Ihr was ein Laden für Anlassmode ist? Daran bin ich vorbeigefahren. 

Ein Geschäft für Mode, die man bei besonderen Anlässen trägt. Anlassmode.

Ich muss Menschen nach dem Weg fragen, weil ich keine App benutzen kann. Spreche mit Leuten, sage Danke und bitte, wir tauschen ein Lächeln und Informationen.

Beim Mittagessen spricht mich eine Frau an, die mit dem Bus nach Bremen gekommen ist. Sie erzählt von einer fürchterlichen Stadtführung und von ihren Kindern. Wir plaudern und keiner von uns isst allein. Hätte ich auf mein Telefon geguckt, wie ich es sonst mache, wenn ich allein an einem Tisch sitze, dann hätte sie mich ganz sicher nicht angesprochen, sagt sie später.

Mein Telefon ist wieder Telefon, denn mein Festnetz ersetzt Nachrichtenapp und eMail. Ich rufe Menschen an, spreche mit Freunden, mit denen sonst eher gechattet wird. 

Wenn man sich an das Phantombrummen in der Hosentasche gewöhnt hat, dann ist es eigentlich mal ganz schön ohne Handy.

Ihr müsste es ja nicht eine Woche an einen anderen Ort bringen, aber das Gerät einfach mal in der Tasche zu lassen, sich wieder umsehen, wenn man unterwegs ist, mit Menschen sprechen, das ist einen Versuch wert. 

Kann ich aus Erfahrung sagen.

Aber ganz darauf verzichten wollen, würde ich auch nicht. 

#penmarathon

24 tweets sind eine Geschichte

1/24 Was für eine gequirlte Scheiße war das jetzt? Björn Elsok vergewisserte sich, dass die Mail wirklich aus dem Kanzleramt kam. Die Alte wolle starke Personalveränderungen umsetzen. „Wir brauchen die Frauen als Wählerinnen, um für unsere Partei das Beste zu erreichen. #penmarathon

2/24 Daher werde ich intern Positionen mit Frauen neu besetzen.“ Dann noch Blabla von wegen „Bitte um Verständnis“, „Zeiten wie diesen“ und so weiter. Klar, jetzt auch noch seinen Stuhl für eine Frau frei machen. Feierabend. Dieses Land war nicht mehr sein Land. #penmarathon

3/24 Erst die Offensive für „Lehrer an die Grundschulen“. Geld für Pflegestellen, um Männer zu begeistern. Schließlich als Schullektüre Pilcher statt Brecht. Jetzt die Jobs der Minister und Referenten an Frauen. Die fünfte Amtszeit hatte der Alten das Hirn zerstört. #penmarathon

4/24 Italien vielleicht? Zu teuer für seine Ersparnisse. Spanien? Er konnte Paella nicht ausstehen. Strand oder Wandern? Da stieß er auf einen Artikel: „Berge, Meer und Wein in Georgien“. Georgien, warum nicht? Und die Frauen da? War auch schnell gegoogelt. #penmarathon

5/24 „Die Unterdrückung der Frau gehört im Kaukasus fast schon zum kulturellen Erbe“ – stand in dem Artikel und das ließ die letzten Zweifel schwinden. Außerdem sah die Dame auf dem Bild zum Artikel aus wie die Oma von Roman Polanski. Ein Flug nach Tiflis kostete 229 Euro und ging morgen früh. #penmarathon

6/24 Schlecht geschlafen. Alpträume von einer Welt in der Männer in Hundekäfigen lebten und nur zum Hausputz und zum Beischlaf herausgelassen wurden. Fiel Björn sofort wieder ein, als er sah wie am Flughafen eine Frau einen häßlichen Minköter in ihre Handtasche drückte. #penmarathon

7/24 Türkische Billigfluglinie. Zwischenstopp in Istanbul. Essen konnte man da natürlich nichts auf dem Flughafen. Kurz hatte er über die Option Türkei nachgedacht. Verworfen. Womöglich würde er da Kolleginnen aus dem deutschen Parlament über den Weg laufen. #penmarathon

8/24 Noch eine Stunde, dann endlich Tiflis, das Land in dem Männer noch Männer sein durften.  Über die Sprache machte er sich keine Sorgen. Niemand brauchte Kartuli, wenn er ein echter Kerl war.  Er hatte Kontakte. Er hatte Nino Haratischwilis gelesen. Er hatte Zuversicht.  #penmarathon

9/24 Björn war überrascht. Moderner Flughafen, sechsspurige Autobahn Richtung City. Er hatte nach einer Budget-Unterkunft gefragt. Der Taxifahrer hatte ihn nach knapp fünfzehn Minuten Fahrt zu einer Pension gebracht, die „Willkommen“ im Titel trug. Er betrachtete das als Omen. #penmarathon

10/24 LILA! Die Wände seines Zimmers waren lila gestrichen. Gut, für umgerechnet unter 30 Euro durfte man vielleicht keine Männerfarbe erwarten. Er stellte sein Gepäck ab, um die Stadt zu erkunden und sich mit Dominic zu treffen. keine Zeit vergeuden. #penmarathon

11/24 Auf dem Weg durch die Altstadt hatte er Zweifel. All die fremden Namen, Sprachfetzen, allein die Schrift. Er fühlte sich fremd, bis er sich auf die Menschen konzentrierte: Mädchen in Miniröcken, blonde Haare, schwarze Kopftücher. Kaum Männer auf den Straßen.  #penmarathon

12/24 Dominic strahlte, klopfte auf den Stuhl neben sich, als er Björn kommen sah. Gamardschoba!  sagte er immer wieder und klopfte ihm auf die Schulter. Sie hatten sich über seine Arbeit im Ministerium kennengelernt. Dominic hatte eine Frau und 3 Töchter. Arme Sau. #penmarathon

13/24 Dominics Deutsch war gut genug um Björn zu vermitteln, dass es nicht ganz einfach werden würde mit einem Job. Aber Georgien sei ein großes Land mit vielen Möglichkeiten. Björn sei doch reich, vielleicht ein Hotel am Schwarzen Meer? Oder wollte er sich als Weinbauer versuchen? #penmarathon

14/24 Dominic hatte Essen bestellt, das immer in die Mitte des Tisches gestellt wurde. Chatschapuri, gefüllten Teigtaschen und Fleisch, viel Fleisch. Heruntergespült mit georgischem Wein, Wodka und Bier, serviert vom Wirt persönlich. #penmarathon

15/24 Er weinte, als er mit einem fetten Kater erwachte. Wegen der Übelkeit, wegen der undefinierbaren Schriftzeichen an der Tür, wegen der scheußlichen Wandfarbe. Wegen der Nachrichten auf CNN. Die Alte Hund die Frauenoffensive. Er konnte nicht zurück. #penmarathon

16/24 Björn gefiel es in Tiflis.  Ein veganes Restaurant hatte eröffnet und war mit Wurstscheiben beworfen worden, bis es umzog. Das war so ganz und gar nicht Prenzlauer Berg. Tradition zählte hier noch etwas. Die Männer versorgten die Familie, die Frauen passten sich an.  #penmarathon

17/24 Vielleicht würde er sich sich eine Frau suchen. Nicht so eine wie die Alte, sondern eine, die zu ihm aufsah, für ihn da war. Ihn achtete. So wie es sich gehörte. Vor dem winzigen Schreibtisch stand ein zusammenklappbarer Angelstuhl. Wo konnte man hier angeln gehen? #penmarathon

18/24 Hier in Georgien wussten sie, was Männer wollten. Eine Angelgenehmigung war nicht nötig. Der Portier des Hotels hatte ihm sogar seine Ausrüstung geliehen. Mitten in der Stadt, im Fluß Kura solle er sein Glück versuchen, hatte er lachend gesagt. Nun stand er hier. #penmarathon

19/24 Der Fluß war eine ziemlich braune Brühe, aber der Typ neben ihm in grauem Kurzarmhemd und Schiebermütze hatte zustimmend genickt, als Björn seine Angel auswarf. Angeln hatte ihm immer schien beim Denken geholfen. #penmarathon

20/24 Das mit der Sprache, das war ein Problem. Weil er aus Berlin einfach abgehauen war, würde er hier wenig Unterstützung aus Deutschland erwarten dürfen. Ohnehin würde die Regierung für die Vermittlungsgespräche für den EU-Beitritt sicher sowieso Frauen schicken. #penmarathon

21/24 Er würde sich nicht unterkriegen lassen. Björn hatte seine Führerscheinprüfung in 17 Wochen geschafft, sein Spanisch-Diplom in einem zweiwöchigen Intensivkurs. Da sollte ein Neuanfang in diesem wunderbare Land für einen wie ihn kein Problem darstellen. #penmarathon

22/24 Die Forelle hatte er dem Mann mit der Schiebermütze geschenkt. War zum Hotel zurück und hatte seinem Anwalt einer Mail geschickt: Haus und die Autos verkaufen, alles auf sein Onlinekonto einzahlen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.  Neues Leben.#penmarathon

23/24 Er feierte seine Entscheidung in einer kleine Bar unweit vom Hotel. Kam ins Gespräch mit einer attraktiven Dunkelhaarigen, die in Deutschland studiert hatte. Wieder viel Wein, Whisky, Schnäpse. Schwankend gemeinsam zum Hotel, Turnstunde auf dem schmalen Bett. #penmarathon

24/24 Björn wurde wach, weil Dea einen Schuh fallen ließ. Er richtete sich auf, sah sie winkend durch die Tür verschwinden. Vor dem Bett lag ein Zettel: „Hatte schon aufregendere Nächte. Vielleicht versuchst du es mal mit einem Mann?“ ENDE #penmarathon

http://help.mojoreads.com/penmarathon-schreibwettbewerb

Moin-Land

Die Wunderbarkeit von Moin

Immer wenn ich aus meiner Kleinstadt in Brandenburg zu einer Arbeitswoche nach Bremen komme, dann ist es schon da.

Immer wenn ich meine Eltern in Nordfriesland besuche, dann ist es schon da.

Das Moin.

Wie ein einfaches Wort, eine Begrüßungsformel (die eigentlich mehr ist als  nur das) die Stimmung verändert, das kann jeder erleben, der in den Norden fährt.

Im Dorf meiner Eltern wird immer gegrüßt. Egal, ob man Urlauber ist oder Zugereister oder seit Jahren dort wohnt. Begegnet man sich auf der Straße, sagt man „Moin“. So habe ich auf dem kurzen Fußweg vom Haus meiner Eltern bis zum Supermarkt meistens mit mindestens fünf Menschen gesprochen.

In Bremen betritt man den Sender nicht, ohne vorher mit zahlreichen Kollegen vor der Tür und dann auch auf den Gängen ein „Moin“ ausgetauscht zu haben.

Für Süddeutsche nicht nachvollziehbar, ich weiß. Denn „Moin“ , das ist nicht „Guten Morgen“. Das kann es sein, aber es steht auch für: Guten Tag, Guten Abend, Wie geht es dir, Schön dich zu sehen, wunderbar dich zu treffen, lass mich in Ruhe, zum Reden ist heute nicht der Tag…. Ich könnte diese Liste endlos fortsetzen. Man kann es auf tausend unterschiedlich Arten betonen, mit diesem einen Wort Stimmungen ausdrücken.

Nicht allein die Vielseitigkeit macht dieses Wort so besonders. Auch, dass es so leicht ist, andere davon in Kenntnis zu setzen, dass man sie bemerkt hat, das man sie gesehen hat, das man sie wahrgenommen hat.  Man hat miteinander gesprochen, auch wenn man sich nicht kennt. Das ist nett. Das ist freundlich. Das verändert die Atmosphäre unter Menschen. Man kennt sich nicht, aber man kann sich „moinen“ und damit ein klein wenig näher kommen.

Ich finde das wunderbar. Wenn ich nachmittags, müde von mehreren Frühschichten, an den Rauchern vorbei in die Redaktion gehe, diese Raucher dann in verschiedenen Bandbreiten von „Moin“ über „Mooooooooooin“ bis „Moin,do“ alles gesagt haben, dann fühle ich mich gleich ein wenig besser. 

Wir gehören zusammen im Moin-Land und vielleicht wäre es deshalb ganz gut, wenn auch andere Gegenden sich so ein Wort suchen würden.

We are safe – New Yorkers are as tough as they come

Wieder ein Anschlag.

Und wieder war ich nur wenige Minuten zuvor genau an der Stelle, an der jemand Menschen totgefahren hat.  Erst in Berlin, jetzt in New York.

Am 19. Dezember 2016 war ich mit einer Freundin im Bikinihaus essen, wir verabschiedeten uns, ich wollte lieber nach Hause, statt noch über den Weihnachtsmarkt zu bummeln. Mein Parkticket habe ich bezahlt, knappe zehn Minuten bevor Anis Amri auf eben diesen Weihnachtsmarkt fuhr. Heute war ich eine gute halbe Stunde vor dem Anschlag ein paar Straßen weit weg. Das fühlt sich anders an, als darüber in den Nachrichten zu hören.

https://www.washingtonpost.com/graphics/2017/national/truck-attack-nyc-manhattan/?tid=sm_tw&utm_term=.bb4d9e0e73c0

Wir waren heute morgen auf der Aussichtsplattform des One World Trade Center. Eigentlich sollten wir bereits am Sonntag hochfahren, aber da war es sehr bewölkt, so dass wir die Tickets tauschen konnten. Großartiges Wetter heute in New York, Sonnenschein und blauer Himmel. Wir wollten deshalb danach lieber ein Stück laufen, zurück zum Hotel. Vom Ufer des Hudson die Freiheitsstatue fotografieren, auf einer Bank in der Sonne sitzen, am Fluß entlang spazieren.

Halloween in der Stadt. Männer, die über ihrem Businessanzug einen lustigen gelben Minions-Overall gezogen haben, Frauen die sich ein Gummihuhn mit Telefonkabeln vor die Brust gebunden haben, Kinder mit aufgemalten Spinnennetzen im Gesicht. Der Mann im Fahrstuhl fragt „where are you from?“ und freut sich über die Antwort „Germany“. Er sei da gewesen, in Berlin. was für eine  tolle Stadt. Die Museumsinsel, einzigartig. Und die Menschen in Deutschland, alle so freundlich. Wenn ich heute Abend, nach dem Anschlag, mit ihm gefahren wäre, ob er dann mit mir über den Breitscheidtplatz gesprochen hätte?

Ihr könnt es Euch sparen, die Tweets des Präsidenten zu lesen. Das Übliche eben. Andere Kommentare drücken aus, wie ich die New Yorker erlebt habe.  Gouverneur Andrew Cuomo  twitterte:  „New Yorkers should be New Yorkers, we will not be deterred.“ Gleichwohl verkündete er ab sofort verstärkte Sicherheitsmaßnahmen. Mehr Polizei, vor allem an belebten Plätzen und in der Halloween-Nacht. Unter dem Hashtag  twittern auch Prominente.

https://twitter.com/nyknicks/status/925524310512586752

https://twitter.com/BarbraStreisand/status/925490710605901831

https://twitter.com/elijahwood/status/925495726800384000

Zwischen all die Beileidsbekundungen und „Stay strong“- Beschwörungen auf Twitter mischen sich Fragen nach mehr Sicherheit im Land, nach einer anderen Einwanderungspolitik, bis zu Hinweisen darauf, dass das alles nicht passiert wäre, wenn man keine Muslime ins Land gelassen hätte.

Als die Nachricht des Anschlags Deutschland erreicht, kommen die Anfragen via Twitter, Facebook, SMS und eMail. Geht es Euch gut? Seid Ihr sicher? Ist Euch auch wirklich nichts passiert? Menschen, die „nur“ Kollegen sind, mit denen man ab und an zusammenarbeitet, sorgen sich. Freunde, die wissen, dass ich noch immer in Amerika bin, die Familie sowieso. Ja, es geht uns gut. Wir haben die großartige Aussicht genossen, auf diese Stadt, die wirklich einzigartig ist. Wir haben Geburtstag gefeiert und gut gegessen. Jetzt sitze ich im Hotelzimmer, höre Musik vom Times Square, ab und zu lautes Klatschen. meines Eindrucks nach sind deutlich weniger Menschen auf den Straßen, als an den vergangenen Abenden. Aber das kann auch daran liegen, dass in Lower Manhattan die Halloween-Parade veranstaltet wurde.

Die Spitze des One World Trade Center leuchtet heute Abend in rot, weiß und blau. Ex- Präsident Obama schrieb: “Michelle and I are thinking of the victims of today’s attack in NYC and everyone who keeps us safe. New Yorkers are as tough as they come.”

If you want to create fear, you picked the wrong city. New York City and New Yorkers will never back down to hate and terror.

Das Beste zum Schluß

Drei Wochen unterwegs mit einem RIAS-Stipendium, jetzt geht es erst einmal ans sortieren: Bilder, Adressen, Erinnerungen. SCHON drei Wochen um? ERST drei Wochen ist das her, dass wir uns zum ersten Mal getroffen haben? Beides unglaublich.

Zwölf Menschen aus Fernseh-und Radioredaktionen aus ganz Deutschland – drei Wochen unterwegs in den USA. (Alles zu den Bewerbungen für Journalisten gibts hier http://riasberlin.org/en/current-events-dates-and-deadlines/ ).  

#RiasChangedMyLife stimmt wirklich! Ganz ehrlich, Ihr könnt Euch bewerben und mitfahren, aber Ihr werdet NIE im leben auf eine Kombination so großartiger Teilnehmer treffen wie ich. Selten habe ich mich so schwer von einer Gruppe Menschen getrennt. Danke Anja, Ralph, Christian, Torsten, Anorte,Neus, Nural, Laura, Vanessa, Benedikt und Charlotte für tolle und besondere Gespräche, für viel Lachen, für Umarmungen, wenn das Heimweh kam. Es ist ein Geschenk Euch getroffen zu haben!

Danke an Erik und Anette für das organisieren außergewöhnlicher Termine, Begegnungen mit besondere Menschen und lebensverändernde Gespräche. Mein Blick auf dieses Land hat sich verändert. In vielerlei Hinsicht wird sich das auf meinen Alltag und die Arbeit in Deutschland auswirken.

 

Bevor ich jetzt in meine ganz private NY Woche starte, noch ein paar Tipps für Euch:

 

Frühstück kaufen in NYCity? Am besten an den Rolllenden Buden, die überall stehen. Banane, Kaffee und Wasser für zusammen 3 Dollar – unschlagbar günstig. Abends dann am besten in eine Bar in Seitenstraßen und nicht an den touristischen HotSpots, zum Beispiel in der 9ten. Das Bier gibts ab 3 Dollar, manchmal plus kostenlosem HotDog.

Die Hotelpreise in New York sind inzwischen an Absurdität kaum zu überbieten, also sehr rechtzeitig buchen. Das YOTEL ist zu empfehlen, kleine aber schöne Zimmer, sensationell gute Betten und im Viertel Hell’sKitchen gibt es wunderbare Restaurants und Bars in Fußnähe, den Times Square erreicht man in 20 Minuten zu Fuß, zum Hudson sind es zehn Minuten. (Dusche und WC sind allerdings nur durch eine Glastür mit Vorhang vom Rest des Zimmers abgetrennt.

Euch allen ein schönes Wochenende.