Krimi auf Reisen

„Wenn Jemand eine Reise thut,

So kann er was erzählen;

Drum nahm ich meinen Stock und Hut

Und thät das Reisen wählen.“

Matthias Clausius Urians Reise um die Welt

Dieses Zitat kennt Ihr alle. Und habt es selbst sicher schon erlebt, man verreist und zurück zu Hause will man alles erzählen: Von den Menschen, die man getroffen hat, den unfassbar schönen Aussichten und das leckere Essen ist vielleicht auch in guter Erinnerung geblieben.

Je länger ich schreibe, desto mehr werden Reisen für mich auch Quellen für Geschichten. Egal, ob ich in der Bahn von Berlin nach Bremen fahre oder meinen Urlaub im Ausland verbringe, ich höre und sehe überall sehr genau hin.

Auf meinem Weg nach Hamburg in der vergangenen Woche saßen vier Frauen mit in der Bahn, vor sich Kunststoffgläser mit rosa Sekt, anhand der hin-und hergereichten Unterlagen waren die Damen als Gäste einer Aida-Kreuzfahrt zu identifizieren. Alle vier sehr gepflegt, zurückhaltendes Make Up, Rock oder schwarze Hose, schön geföhnt oder mit Zopf.  In den Gesprächen ging es um zurückliegende Reisen, um Urlaubsanträge und zollfreies Einkaufen.

Und in meinem Kopf entstanden Geschichten: Über Frauen, die als Heiratsschwindlerinnen auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs sind. Oder über die eine, die ein anderes Leben will und auf dieser Reise durch einen Sprung ins Meer das alte hinter sich lässt.  Vielleicht auch die, in der eine der Vier auf einem Rachefeldzug ist und am Ende sind drei von ihnen tot.

Versucht das mal. Schaut Euch die Menschen an, die um Euch herum sind. Was sagt Euch die Kleidung, was erzählt die Sprache, die Haltung über denjenigen, der mit Euch reist? Welche Geschichten würden zu diesen Personen passen, was könnte ihnen passiert sein, was tragen sie mit sich herum oder was kommt auf sie zu?

Genau so entstehen Geschichten, Romane, Krimis.

Am Anfang ist da eine Idee, dann kommen die Figuren und dann entsteht nach und nach die Geschichte.

Und nein, ich war keine der vier Frauen in der Bahn.

Ich war mit meiner Mama unterwegs für ein paar Tage. Wir sind beide noch am Leben. Ich weiß auch nicht von anderen, die auf unserer Reise ihr Leben lassen mussten oder verschwanden.

Aber Ideen habe ich reichlich im Reisegepäck mitgebracht.